Trauer ist Trauer. Punkt!

Die Anlässe zu trauern sind so vielfältig wie die Trauer selbst:
Ein geliebter Mensch ist gestorben. Ich habe meinen Arbeitsplatz verloren. Das Kind verlässt den gemeinsamen Haushalt. Ein Lebenstraum ist geplatzt. Die Beziehung ist gescheitert.

Alle genannten Aspekte und noch viele darüber hinaus sind schwerwiegend. Sie sind nicht das Haar in der Suppe, die alltägliche Nörgelei oder der Stein im Schuh.
Es sind Situationen im Leben, die an unseren Grundpfeilern rütteln. Die uns verängstigen, wütend machen und eben auch trauern lassen.

Trauern um die unausgesprochenen Dinge. Trauern um vertane Chancen. Trauern um den Menschen, der so viel bedeutet hat.

Trauern ist deshalb schwerwiegend, da wir unsere Lebensumstände neu sortieren müssen. Wenn ein Mensch fehlt, fehlt er. Da gibt es nichts schönzureden.

Da gibt es auch nichts zu optimieren. Ein „Hey, wird schon“ ist weder Trost noch angebracht.

Aus meiner Sicht hat die Trauer schlichtweg ihre Daseinsberechtigung. In unserer überoptimierten Gesellschaft wird dieses gern mal ignoriert oder absichtlich unter den Teppich gekehrt.
Ach Mensch, da funktioniert ja jemand nicht. Dabei gibt es doch so viele Angebote, diesem entgegen zu steuern.

Sollte ich das? Will ich das? Nein!
Trauer gehört zum Leben dazu. Verlust gehört zum Leben dazu.

Und vor allen Dingen: Trauer ist höchst individuell.
Sie geschieht mit eigenem Tempo. Mit eigenen, persönlichen Mechanismen.
Sie ist nicht durch Außenstehende bewertbar. Sie ist nicht abkürzbar und sie ist ebenso wenig vergleichbar. Trauer ist ein Prozess.

Einem Trauernden sagen zu wollen, ob und wie dieses vonstatten zu gehen hat, ist in höchstem Maße anmaßend und übergriffig.

Unser verkrampfter Umgang mit Trauernden lässt uns oftmals unsicher, beschämt und hilflos zurück. Da die Trauer nach wie vor zu sehr tabuisiert wird, fehlen uns Mechanismen, damit umzugehen. Doch hier gibt es kein „perfekt“. Wenn dir die Worte fehlen, dann darfst du dieses sagen. Man darf auch überwältigt sein, sprachlos sein. Man darf umarmen, wenn tröstende Worte sich nicht einstellen wollen. Still, authentisch, mit Herz.

Und auch als Trauender fühlen wir uns oft hilflos, merken wir doch die Unbeholfenheit der Umwelt. Wir dürfen äußern, was uns gut tut. Wir dürfen aber auch mitteilen, wenn wir etwas nicht hören wollen oder jemand dabei ist, eine Grenze zu überschreiten und wir uns bedrängt fühlen.

Keiner ist in der Lage, die Trauer besser zu empfinden als du selbst.

Trauer heißt Schmerzen, heißt Leiden, heißt sich verabschieden. Ja.
Dennoch bedeutet Trauern auch annehmen. Loslassen, was nicht mehr ist. Gehen lassen, denn es darf gehen.

Der Prozess des Trauerns ist folglich auch eine Phase der Neuorientierung.
Eine Zeit der Reflexion:
Was ist mir wirklich wichtig im Leben?

Auf diesem Wege alles Liebe,
Melanie

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