Sehr häufig begegnet mir in letzter Zeit folgendes Phänomen:

 

Wenn ich im Gespräch, im Diskurs, im Austausch mit anderen Menschen bin und das Thema auf Hochsensibilität fällt, erfolgen oft Entgegnungen wie

 

  • Die machen es sich ja einfach
  • Da haben die ja die perfekte Ausrede
  • Eine schöne Modeerscheinung, mehr nicht
  • Nette Umschreibung, etwas nicht tun zu müssen

 

Mal Hand aufs Herz:

Wir alle kennen natürlich Menschen, denen wir ihre Ausreden für keine 5 Pfennig abkaufen. Die oftmals dann, wenn es ernst wird, einen Rückzieher machen. Die gerne wichtige Termine vorschieben, um ein unliebsames Treffen zu vermeiden. Die eloquent sich selbst und andere überzeugen, warum xy gerade so gar nicht in ihr Leben passt.

 

Aus der Psychologie kennen wir den Effekt des „sekundären Krankheitsgewinnes“. Da ist die fürsorgliche Mutter, die cremt, pudert, pflastert, umsorgt und das Lieblingsessen zubereitet, wenn es uns nicht gut geht. Viele von uns kennen das aus Kindheitstagen. Und natürlich haben wir dieses Extra-Bonbon an Aufmerksamkeit genossen und es war fast ein wenig schade, wenn man dann wieder vollständig genesen war.

 

Somit kann der Wunsch nach weiterer Zuwendung entstehen und dem Krankheitssymptom einen aufrechterhaltenden Charakter verleihen: So lange ich hilfsbedürftig bin, genieße ich gewisse Vorzüge – auch im Erwachsenenalter.

 

Nun bleibt aber die Frage: Warum wird dieses weit verbreitete Phänomen ausgerechnet den Hochsensiblen angehaftet?

 

Insofern ja weithin bekannt ist, dass Hochsensibilität eben keine Krankheit ist und dementsprechend in der pathologischen Ecke nichts zu suchen hat.

 

Klar wird es auch unter den Hochsensiblen den ein oder anderen geben, der gerne mal seine vermeintliche Vulnerabilität zum Anlass nimmt, ein Event aufgrund von möglicher Reizüberflutung abzusagen. Klingt ja auch irgendwie besser und sozialverträglicher als einfach nur „Hab keine Lust“ rückzumelden.

Bedeutet dies aber gleich, dass alle Hochsensiblen Drückeberger sind?

Zumal es ja den Hochsensiblen gar nicht gibt.

 

Aus meiner Sicht gibt es in allen Sparten Drückeberger, wenn sie es denn darauf anlegen. Und Hochsensible, die auf ihre Ressourcen achten, sind nicht minder leistungsfähig als durchschnittlich Sensible oder andere Gruppen. Ein hochsensibler Mensch, der mit seiner Gabe im Reinen ist, seine Grenzen achtet und aktive Selbstfürsorge betreibt, wird m. E. keine vorgeschobenen Gründe oder Ausreden kommunizieren.

 

Wie sind deine Erfahrungen?

Hattest du schon einmal den Eindruck, dass Hochsensible sich einen Schutzpanzer zurechtlegen?

 

Alles Liebe,

Melanie

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