Mitunter fallen hochsensible Schüler dadurch auf, dass sie

 

  • verträumt wirken
  • scheinbar nicht bei der Sache sind
  • leicht ablenkbar sind
  • ihre Arbeitsmaterialien wie ein „zerstreuter Professor“ behandeln

 

Nicht selten scheint es zwischen Schulgebäude und dem Zuhause ein ominöses schwarzes Loch zu geben, welches wichtige Handzettel und Informationspapiere zur nächsten Klassenpflegschaft quasi verschluckt.

Doch nicht nur Infos verschwinden auf unerklärliche Weise, sondern gerne auch Stifte, Taschenrechner, Bücher, Turnbeutel und gar Kleidungsstücke. Auch Ankündigungen wie der nächste Vokabeltest oder der anstehende Adventsbasar dringen nicht bis ins Elternhaus durch.

 

Doch stellen wir uns nun einmal den Schulalltag eines hochsensiblen Schülers vor:

 

Der Unterricht reicht teilweise bis in den Nachmittag, auch schon bei jüngeren Schülern. Außerdem gibt es die Tage, wo alle 45 Minuten geswitcht wird, wo Englisch auf Französisch folgt, danach Chemie, Erdkunde, Kunst und Mathe. Tage also, an denen es keine Doppelstunden gibt.

Der Sitznachbar wippt mit dem Stuhl, während im Hintergrund munter die Heizung vor sich hingurgelt. Am Nachbartisch klickert jemand pausenlos mit dem Kugelschreiber. In der hinteren Reihe ist wieder mal jemand krank zur Schule geschickt worden, der nun ohne Unterlass schnieft und hustet. Links kramt ein Schüler ständig in der Tasche und rechts entbrennt eine heiße Diskussion darüber, wann und wo man sich nachher noch zum Pokémon verabreden möchte.

Und dies sind nur die mehr oder weniger offensichtlichen Dinge. Zusätzlich bemerkt der hochsensible Schüler, je nach Ausprägung, auch noch die Käsestulle im Rucksack drei Reihen weiter, das Fiepen eines nicht verschlossenen Getränkebechers, ob der Deutschlehrer heute mies gelaunt ist (im Übrigen erkannt an Mikromimik und ohne dass der Lehrer ein Wort gesprochen hat) und darüberhinaus, ob sich am Nebentisch gerade ein Zwist anbahnt.

Diese Beispiele machen deutlich, dass der hochsensible Schüler einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt ist und dabei ist der Unterrichtsstoff noch gar nicht berücksichtigt. Was hier geleistet wird, ist richtig harte Arbeit.

 

Kommt jetzt noch hinzu, dass beim Elternsprechtag geäußert wird

  • ihr Kind ist aber unaufmerksam
  • ihre Tochter/ihr Sohn ist so leicht ablenkbar
  • ihr Kind ist aber unorganisiert

 

entsteht für Eltern schnell der Supergau.

 

Doch vergegenwärtigen wir uns noch einmal obige Leistung, die der hochsensible Schüler tagtäglich erbringen muss, so wird deutlich, dass genannte Phänomene wie Unordentlichkeit, Unaufmerksamkeit oder Zerstreutheit keineswegs absichtlich geschehen!

Weder den Lehrern, noch den Eltern soll bewusst übel mitgespielt werden.

 

Es ist weder ein Signal von Aufmüpfigkeit, noch ein Ausdruck von Rebellion.

Und keinesfalls hat es etwas mit der intellektuellen Leistungsfähigkeit des Schülers zu tun!

 

Bedenken wir doch einmal, wie schwer es uns als Erwachsene teilweise fällt, Aufgaben zu priorisieren, Ordnung zu halten, störende Reize auszublenden oder „Nein“ zu sagen, wenn uns etwas über den Kopf wächst.

Wie schwer fällt es uns hochsensiblen Erwachsenen, die gemischten Gefühle im Raum wie Traurigkeit, Wut, Ärger, etc. bewusst von unseren eigenen Gefühlen zu trennen? Uns nicht überfluten zu lassen von den negativen Vibes, die von anderen Menschen ausgehen?

Diese Sichtweise kann uns helfen, uns besser in die Schülerseele einzufinden.

 

Zudem kann man das hochsensible Kind dadurch unterstützen, dass man

 

  • dem Alltag eine Struktur gibt
  • wiederkehrende Rituale in den Tag einbaut
  • Arbeitsmaterial am Abend zuvor packt
  • Veränderungen ankündigt
  • bevorstehende To-Dos mit dem Kind gemeinsam abspricht
  • Konzentrationsübungen trainiert
  • Emotionen anspricht
  • Ruhephasen am Nachmittag einplant
  • und last but not least:
  • dass man dem Kind zu jedem Zeitpunkt vermittelt, dass es geliebt wird um seiner selbst willen.

 

Alles Liebe,

eure Melanie

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