Was macht Hochsensibilität aus?

Hochsensible Menschen nehmen ihre Umwelt und ihr Umfeld intensiver wahr als ihre Mitmenschen. Ihre körperlichen Sinne sind stark ausgeprägt und so fühlen, schmecken, riechen, sehen und hören diese Menschen mehr als der Durchschnitt. Nicht immer wird dieses als angenehm empfunden. Häufig berichten HSP, dass sie sich seit Kindheitstagen „anders“ gefühlt haben. Nicht selten wurden sie konfrontiert mit Aussagen wie

  • Du bist aber empfindlich
  • Heulsuse
  • So nah am Wasser gebaut
  • Bist du aber dünnhäutig
  • Stell dich doch nicht so an
  • etc

Wer diese oder ähnliche Sätze seit seiner Kindheit immer wieder hört(e), fängt mitunter an, diese Glaubenssätze als Teil seines Selbstbildes zu integrieren. Es sind dann nicht die Anderen, die einen schlichtweg verkennen, sondern man zweifelt an der eigenen Persönlichkeit und seiner Wahrnehmung. Dies kann dazu führen, dass man sich tatsächlich schwächer, weniger belastbar, dünnhäutiger und anfälliger als der Durchschnitt fühlt.

Umgang mit der Reizüberflutung

Eins vorweg: Hochsensibilität ist keine Krankheit!

Die Pionierin auf diesem Gebiet, nämlich Elaine Aron, forschte vor etwas über 20 Jahren zum  Thema Hochsensibilität; kreierte den Begriff der „Highly Sensitive Person (HSP)“ und verwies darauf, dass HS eben keine Erkrankung, sondern ein durchaus auch nutzbringendes Persönlichkeitsmerkmal sei.

Dadurch, dass die Antennen der HS quasi permanent „auf Empfang“ sind, fällt es diesen Menschen häufig besonders schwer, abzuschalten. Ereignisse und Erlebnisse werden intensiv wahrgenommen, tief verarbeitet und haben meist einen langen Nachhall. Hochsensible Persönlichkeiten haben in der Regel ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und legen Wert auf ein harmonisches Miteinander, was wiederum dazu führen kann, dass es einem schwerfällt, Grenzen zu setzen und auch mal „Nein“ zu sagen.

Doch dies ist ein entscheidender Punkt: Gerade als hochsensibler Mensch spürst du intuitiv, wann du deine Grenzen erreicht hast, was dir nicht gut tut, wann ein eigentlich schönes Event plötzlich zu einem „zu viel“ wird. Trotz dieses Erspürens gelingt es jedoch häufig nicht, sich tatsächlich abzugrenzen, sich Ruhepausen zu gönnen oder einfach mal einen Gang runter zu schalten. Warum? Aus meiner Erfahrung heraus sind es häufig

  1. Vergleiche mit Mitmenschen, die uns dazu verleiten, nicht auf unser Körpergefühl zu hören. Wir fühlen uns in einer Wettbewerbssituation und wollen nicht als schwach angesehen werden. Wir setzen die Messlatte nicht bei uns selbst an, sondern vergleichen uns mit denjenigen, die scheinbar immer höher, schneller und weiter sind als wir.
  2. Perfektionistische Ansprüche, die uns antreiben. Ihren Ursprung kann man bereits in unseren jungen Jahren finden. Welche Werte wurden in unserer Familie postuliert? Welche Glaubenssätze wurden mir seit frühester Kindheit vermittelt und inwiefern manifestieren sich diese heute bei mir als erwachsenem Menschen?

Fazit:

Vergleiche laden immer dazu ein, dass man den Eindruck hat, schlechter dazustehen als der Andere. Viel wichtiger ist es, wie du künftig mit deiner Hochsensibilität umgehen möchtest. In diesem Zusammenhang ist die Introspektion ein bedeutsamer Begriff. Wenn es Seiten an deiner HS gibt, die du als störend empfindest, dann ist der erste wichtige Schritt, dass du für dich erkennst, welche Motive dein Handeln bestimmen und unter Umständen hemmen. Wer seine Triggerpunkte kennt, kann sie bearbeiten!

Merkmale von hochsensiblen Menschen

Hochsensible Persönlichkeiten, denen ich in meinem privaten und beruflichen Leben begegne, zeichnen sich u. A. aus durch:

  • erhöhte sensorische Wahrnehmung
  • große Empathiefähigkeit
  • ausgeprägte Wert- und Moralvorstellungen (pflegen harmonisches und authentisches Miteinander)
  • hohes Anspruchsdenken, perfektionistische Tendenzen
  • Sinn für Ästhetik und Kunst
  • hohe Reflexionsfähigkeit
  • Natur- und Tierliebe
  • Inter- und intrapersonale Kompetenz
  • gewaltfreie Interaktion und Kommunikation
  • reiches, vielschichtiges Innenleben

Fazit:

Vielleicht findest du in obiger Liste ganz viele Überschneidungspunkte zu deiner Persönlichkeit, vielleicht auch nur wenige, diese aber dafür mit einer großen Zustimmung. So oder so – es gibt nicht den Hochsensiblen.

Feststellen möchte ich aber: Deine Hochsensibilität oder die deines Kindes ist ein Geschenk, eine Gabe! Pflege sie, nutze sie. Sie macht dich wertvoll für deine Familie, deine Freunde, deinen Arbeitgeber und unsere Gesellschaft!

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