Was ist Hochbegabung?

Bei einem Intelligenzquotienten ab 130 sprechen wir von Hochbegabung, bei einem IQ von 145 sogar von Höchstbegabung.

Die wissenschaftlich anerkannt eingesetzten Tests zur Messung der Intelligenz, konzentrieren sich auf kognitive Bereiche wie z. B. die verbalen und numerischen Fähigkeiten des Teilnehmers.

Hingegen unbeachtet bleiben Fähigkeiten, die Rückschlüsse auf einen EQ geben würden. Wie interagiert der Teilnehmer in sozialen Situationen? Ist er sich seiner selbst bewusst und kann sich in andere Menschen hineinversetzen (Empathiefähigkeit)?

Dies erkannte auch Howard Gardner, ein US-amerikanischer Professor und Psychologe

und entwickelte in den 80er Jahren die Theorie der multiplen Intelligenzen.

Darunter fasst er:

Sprachliche Intelligenz
Sprache einsetzen können, um sich mit seinen Gedanken und Gefühlen verständlich zu machen und auch das kommunikative Gegenüber treffsicher zu verstehen

Musikalische Intelligenz
Begabung im Bereich Musizieren und Komponieren. Erkennen von Rhythmus und Klangmustern

Logisch-mathematische Intelligenz
Zahlen und Mengen operationalisieren und Ähnlichkeiten durch Abstraktion erkennen können

Räumliche Intelligenz
Die Welt mit ihren Formen und Farben akkurat wahrnehmen. Entfernung, Größe und Position bestimmen können

Körperlich-kinästhetische Intelligenz
Beherrschung und Koordination des Körpers oder einzelner Körperteile. Beispiel: Tanz

Intrapersonale Intelligenz
Eigene Befindlichkeiten, Gefühle, Stärken und Schwächen erkennen und geeignete Handlungsoptionen daraus ableiten können; hohes Maß an Selbstbewusstsein

Interpersonale Intelligenz
Andere Menschen mit ihren Emotionen und Motiven empathisch nachempfinden und kommunikativ darauf eingehen können

Fazit:

Während herkömmliche Intelligenztests auf einige kognitive Bereiche beschränkt sind, geht das Modell von Gardner weiter, indem es zum Beispiel Empathiefähigkeit miteinschließt. Gerade diese social skills sind es, die unser soziales Miteinander, ob beruflich oder privat, relevant mitbeeinflussen. Häufig sind es z. B. gerade diejenigen Mitarbeiter, die über ein hohes Maß an intra- und interpersonaler Intelligenz verfügen, die ein positives Betriebsklima und einen wertschätzenden Kommunikationsstil mit Kunden pflegen.

Sollte ich mich oder mein Kind testen lassen?

Intelligenztest bei Jugendlichen:

Wenn Kinder oder Jugendliche in der Schule auffällig werden, kann eine Hochbegabung dahinter stecken. Insbesondere, wenn diese Kinder über Langeweile oder ständige Wiederholungen klagen und sie den erforderten Lernstoff scheinbar mühelos beherrschen. Hier gilt allerdings zu beachten, dass nicht jede Lernstörung oder Verhaltensauffälligkeit prompt auf eine mögliche HB hindeutet. Je mehr ein Thema aktuell medial vertreten ist, umso häufiger kommt es auch zu einem inflationären Gebrauch desselbigen.

Ein Intelligenztest kann hier in diesem Fall Abhilfe schaffen.

Er bringt Klarheit und Transparenz in die Potentiale des untersuchten Kindes.

Seriöse Institute und Psychologen speisen nicht einfach mit einem Zahlenwert ab, sondern zeigen transparent das Schwächen- und Stärkenprofil des Kindes. Das Gesamtergebnis wird in einen Rahmen gebettet, in dem Ergebnisse in den einzelnen Subskalen differenziert kommuniziert werden. Daraus wiederum ergeben sich mögliche Förderziele für Eltern und Lehrerschaft. Auch für anstehende schulische Überlegungen bezüglich Akzeleration (früherer Schuleintritt, Überspringen einer Klasse, etc.) kann eine differenzierte Potentialanalyse, die der Intelligenztest zur Verfügung stellt, sehr hilfreich sein.

Allerdings möchte ich noch darauf hinweisen, dass es aus meiner Sicht unabdingbar ist, dass dein Kind in die Planung eines solchen Testes einbezogen wird und alle Schritte diesbezüglich miteinander besprochen werden. Ein solches Procedere kann, unter Umständen, für dein Kind eine stressige Erfahrung sein, daher ist es unbedingt notwendig, dass ihr zusammen eine Entscheidung fällt, ob und wie solch ein Test durchgeführt werden soll. Ist dein Kind motiviert und gibt „grünes Licht“, passiert es dann und wann auch, dass es so glücklich darüber ist, endlich mal all ihre PS auf die Straße zu bringen, dass es im Anschluss an eine Testung fragt “ Mama, wann darf ich das denn noch einmal machen?“

Intelligenztest bei Erwachsenen:

Ich bin einmal mit der Frage konfrontiert worden „Was soll denn das ganze Labeling? Schafft man damit nicht Schubladen-Denken?“

Nein, tut man nicht.

Spät erkannte Hochbegabte tragen oft einen schweren Rucksack mit sich herum. Sowohl in der Schulzeit als auch im Berufsleben kann eine nicht erkannte Hochbegabung zu Problemen führen. Man merkt, dass man anders tickt als andere Menschen. Die Schulzeit empfindet oder empfand man möglicherweise als Spießrutenlauf. Und auch im Berufsleben kann es vorkommen, dass man sich mit seiner schnellen Auffassungsgabe, seiner querdenkenden Art und seinem hohen Arbeitstempo nicht nur kollegiale Bewunderung einholt. Man fühlt sich „anders“, mitunter ausgeschlossen und merkt, dass Mitarbeiter oder Vorgesetzte eine u. U. gänzlich andere Arbeitsweise präferieren und an den Tag legen.

Die Folgen können sein:

Du fühlst dich missverstanden und es kommt dir vor als seiest du ein „Alien“. Mit deinem meist sehr stark ausgeprägten Perfektionismus, möchtest du deine Arbeitsergebnisse tadellos abliefern, doch nicht immer erfährst du hierfür Wertschätzung und Anerkennung. Du fühlst dich falsch und häufig beginnt nun eine Phase, in der man sich selbst die Schuld dafür gibt, denn alle anderen Mitarbeiter scheinen doch prima integriert zu sein. Du zweifelst an dir und deinen Fähigkeiten und mit deinem feinen Gespür für Ungerechtigkeiten, bemerkst du Ablehnung und Unverständnis. Im schlimmsten Falle hast du gar die Erfahrung von Mobbing und/oder Bossing gemacht.

Eine Intelligenztestung löst nicht auf einen Schlag all deine Probleme, aber sie kann greifbar machen, was bislang schwammig war. Sie kann dir Klarheit über deine Schwächen und Stärken bringen und vor allen Dingen hast du nun eine Erklärung für deine „Andersartigkeit“. Menschen, die diesen Schritt machen, berichten häufig aber auch davon, dass sie ob des Testergebnisses einen tiefen Schmerz und eine große Trauer empfunden haben:

  • Warum wusste ich das nicht früher?
  • Warum haben mich meine Eltern nicht optimaler gefördert?
  • Warum haben Lehrer mein Potential nicht erkannt?
  • Was hätte alles aus mir werden können, wenn ich es früher gewusst hätte?

Andererseits empfinden viele spät erkannte Hochbegabte eine große Erleichterung darüber, dass sie nun endlich wissen, was mit ihnen los ist. Wenn ich ein Testergebnis habe, kann ich anfangen, Vergangenes zu verarbeiten, meine aktuelle Ist-Situation auszuloten und künftig Handlungsoptionen für mich ableiten.

Fazit:

Ich möchte kein Plädoyer für oder gegen Intelligenztests halten. Ob du dies machen möchtest, liegt in deiner Hand. Mir sind in meinem Leben auch viele Menschen begegnet, die um ihre Hochbegabung oder die ihrer Kinder wussten, aber nie einen Test haben machen lassen. Falls du dich jedoch für einen Test interessierst: Mensa e. V. bietet regelmäßig die Möglichkeit, sich im Gruppensetting testen zu lassen. Weitere Infos hierzu findest du auf der Mensa-Website. Du möchtest gerne einen Test machen lassen, aber die Gruppensituation liegt dir nicht wirklich? Auch niedergelassene Psychologen bieten Intelligenzmessungen an. Hier hast du die Möglichkeit, deinen IQ in einem 1:1-Setting bestimmen zu lassen.

Bist du noch unentschlossen, ob und wie du an das Thema Hochbegabung – mit oder ohne Testung – herangehen sollst und wünschst dir Unterstützung? Dann kontaktiere mich gerne und wir vereinbaren ein kostenloses Kennenlern-Telefonat.

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