„Die sind doch so furchtbar schlau, die laufen doch so mit!“

Diesen oder ähnliche Sätze haben sicherlich schon einige Eltern hören müssen, die sich nach Fördermöglichkeiten für ihr hochbegabtes Kind erkundigt haben. Doch Menschen, mit denen ich arbeite, spiegeln mir häufig:

– mein Kind quält sich vor lauter Langeweile nur so durch den Unterricht

– die Erledigung der Hausaufgaben wird zur ständigen Tortur und bestimmt mittlerweile unseren ganzen Alltag

– mein Kind saugt den Lernstoff wie ein Schwamm auf und ist genervt von den häufigen Wiederholungen

– mein Kind leidet unter der permanenten Unterforderung, aber die Lehrkräfte gehen nicht darauf ein

Dabei gibt es mittlerweile einige sehr gute Ansätze, wie man der Langeweile und Unterforderung hochbegabter Schüler entgegenwirken kann, die ich im Folgenden kurz vorstellen möchte:

 

Enrichment

Hierbei wird der Unterrichtsstoff, wie der Name schon sagt, „angereichert“.

Damit ist aber definitiv nicht gemeint, dass der hochbegabte Schüler einfach die doppelte Menge absolvieren sollte oder generell eine Seite im Arbeitsbuch vorspringt. Dies ist wenig sinnvoll und würde beim besagten Schüler eher ein Gefühl von Strafe denn von Inspiration hervorrufen.

Vielmehr ist gemeint, dass Hochbegabten zum Beispiel die Möglichkeit gegeben wird, den zu erarbeitetenden Stoff auf ihre eigene individuelle Art zu erforschen – mit aber auch ohne die vorhandenen Lehrbücher. Dies kann Internetrecherchen, Bibliotheksbesuche, PowerPoint-Vorträge, selbstgefertigte Modelle u. Ä. einschließen. Schon im Grundschulbereich gibt es die Möglichkeit des Enrichments. Ein Beispiel hierfür: Die Schüler nehmen gerade die Grundrechenarten durch und bewegen sich im Zahlenraum bis 100. Ein hochbegabtes Kind könnte hier ebenfalls die Grundrechenarten bearbeiten, allerdings in dem ihm zur Verfügung stehenden Zahlenraum.

Drehtürenmodell

Das so genannte „Drehtürenmodell“ findet häufig dann Anwendung, wenn sich die Begabung auf einzelne Bereiche bezieht. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn ein sprachbegabter Siebtklässler den Englisch- und/oder Französischunterricht der nächst höheren Klasse, also in dem Fall, Klasse 8, besuchen dürfte.

In allen anderen Fächern verbleibt er weiterhin in Klasse 7.

Vorteil ist: Der hochbegabte Schüler kann im eigentlichen Klassenverband verbleiben und wird dennoch in seiner Teilbegabung gezielt gefördert.

 

Akzeleration

Wenn beide obig genannten Aspekte bislang wenig Erfolg hatten und der Schüler nach wie vor über Langeweile im Unterricht klagt, kann man die so genannte „Akzeleration“, also das Überspringen einer Klasse in Erwägung ziehen. Aus meiner Erfahrung scheuen die Beteiligten jedoch häufig davor zurück. Eltern sorgen sich zumeist, dass das Kind nicht im Klassenverband verbleibt und Lehrer führen häufig fehlende soziale und emotionale Reife an. Beide Aspekte gilt es natürlich zu beachten und müssen individuell mit allen Akteuren abgestimmt werden. Dabei sollten die vorgetragenen Argumente aber definitiv einer Prüfung unterzogen werden. So stellt z. B. aus meiner Sicht eine noch zu krakelige Handschrift keinen Hinderungsgrund für das Springen dar. Und ja, solche Gründe werden mitunter vorgetragen.

Wenn der Schüler dann überspringen möchte, finde ich es sehr wichtig, die aufnehmende Klassenlehrerin oder Klassenlehrer zu „interviewen“: Wie steht sie/er zu dem Thema? Ist das Kind in der Klasse willkommen? Wie geht er/sie mit dem Thema Hochbegabung um?

Zusammengefasst möchte ich festhalten, dass es mittlerweile mannigfaltige Fördermaßnahmen für hochbegabte Schülerinnen und Schüler gibt. Den Eltern will ich ans Herz legen, genau zu prüfen, welche der genannten Aspekte an der Schule der Wahl angeboten werden. Dazu gehört für mich nicht nur das Durchlesen des Schulprogrammes, denn Papier kann bekanntlich geduldig sein. Fragt konkret, was und wie in dieser Schule gefördert und praktisch umgesetzt wird.

Und schlussendlich, wenn auch selbstverständlich: Das A und O ist das Interesse des Kindes. Geben die Beteiligten grünes Licht, so bleibt es doch in der Hand des Schülers, für welche der genannten Maßnahmen er sich entscheidet oder eben auch nicht.

Viel Erfolg und alles Gute wünscht dir

Melanie

 

 

www.smartemotions.de

Share This