Sie: Der Januar und Februar sind echt nicht meine Monate. Zu dunkel, zu trist – eben kurz vor dem Hauskoller…

Er: Mmmhhh

Sie: Hab schon überlegt, ob das eine saisonale Depression sein könnte…

Mache mir auch Gedanken, ob… (Cut)

Er: Dann such dir halt‘n Hobby.

 

Was klingt wie eine Regieanweisung war eine echte Situation aus dem echten Leben.

Was denkst du? Hat sie sich ein Hobby gesucht?

 

Nun, gut gemeint heißt nicht immer gut gemacht. Was ist schiefgegangen?

Quasi der Klassiker einer fehlgeleiteten Kommunikation:

 

Nummer 1:

ungefragt Ratschläge erteilen

 

Nicht jeder Gesprächsbeginn beinhaltet automatisch eine Aufforderung, perfekte und fertige Lösungsvorschläge anzubieten. Manchmal bedarf es einfach eines offenen Ohres. Jemand, der dir seine Zeit widmet, aufmerksam zuhört und vor allen Dingen nachfragt. Ein Mensch, der dir freundschaftlich Solidarität zusichert, auch oder gerade wenn du mit negativen Emotionen haderst. Der dich in dieser Situation nimmt, wie du bist und dich nicht auffordert, dir deinen Montag, Dienstag oder Mittwoch schön zu klopfen.

Negative Emotionen gehören zum Leben dazu. Erst, wenn du diese spürst und zulässt, kannst du für dich Konsequenzen daraus ableiten.

Du badest gerade temporär in Selbstmitleid?

Dann ist das jetzt gerade so!

Du fühlst dich gerade einsam und verletzt?

Dann ist das jetzt gerade so!

Dich nervt gerade etwas kolossal und macht dich stinkwütend?

Dann ist das jetzt gerade so!

 

Auch negative Emotionen können eine Triebfeder sein, um die Komfortzone zu verlassen und in die Lernzone einzutreten. Eine negative Emotion kann dich anregen, Bisheriges zu hinterfragen und dich motivieren, neue Schritte zu wagen und an deiner aktuellen Situation etwas zu verändern. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, nicht im negativen Fokus zu verharren.

 

Nummer 2:

Ins Wort fallen

 

Wer ins Wort fällt, drückt – wenn vielleicht auch ungewollt – Geringschätzung aus. Subtext eines solchen Verhaltens ist:

Du bist mir die Zeit nicht wert.

Komm zum Punkt!

Ist das laaaangweilig.

 

Als derjenige, der das Gespräch gesucht und eröffnet hat, fühlst du dich weder ernst genommen noch da abgeholt, wo du stehst.

Deine Befindlichkeit wird nicht berücksichtigt, sondern lediglich auf Sachebene analytisch – wenn überhaupt – abgehandelt.

Deine Wünsche, Bedürfnisse und Argumente? Zählen nicht! Der Andere weiß eh besser, was gut und richtig für dich ist.

 

 

 

Nummer 3:

Nicht über den Tellerrand schauen

Was für den einen der „heilige Gral“ ist, kann für den anderen völlig kontraproduktiv sein.

Will sagen: Die Lösung, die dir jemand präsentiert (diese wird gerne eingeleitet mit den Worten „Das ist doch ganz einfach…“), muss noch lange nicht dein Weg sein. Was für den einen das exzessive Sportprogramm ist, ist vielleicht für dich das entspannende Vollbad. Während sich Person X völlig in einem guten Roman verliert, braucht es bei Person Y das Flow-Erlebnis innigen Tanzens.

Auch kann es bei dir, je nach Lebensphase, variieren. Während dich früher vielleicht Gruppenaktivitäten inspiriert und angeregt haben, brauchst du aktuell wohlmöglich eher Rückzug und Stille.

 

Nummer 4:

Nicht den Kontext betrachten

Auch hier ein Beispiel aus dem realen Leben:

Er arbeitet als Pädagoge im sozialen Bereich und berichtet seiner Gesprächspartnerin von Schwierigkeiten an seiner Arbeitsstelle. Sie wiederum arbeitet in der freien Wirtschaft und gibt Tipps wie

  • also ICH hätte….
  • ICH würde….
  • ICH bin der Meinung, dass…

 

Selbstverständlich können solche Tipps fruchten und den gewünschten Erfolg bringen. Dennoch sollte man nicht außer acht lassen, dass jeder Arbeitsbereich für sich ein Mikrokosmos ist: Mit eigenem internen Regelwerk und kontextgebundenen Socializing-Strukturen.

So liegt es in der Natur der Sache, dass der Mikrokosmos „Schule“ oder „Kita“ anders „tickt“ als das Büro des selbstständigen Maklers oder Architekten.

Wer also nur aus SEINER Sichtweise argumentiert, kommuniziert mitunter an den Rahmenbedingungen des Gegenübers vorbei.

Individuelle Ratschläge sollten demnach stets an der aktuellen Lebens- und Arbeitssituation des Fragenden anknüpfen, sonst verpuffen sie im leeren Raum.

 

Nummer 5:

Mangelnde Wertschätzung

Nach eurem Gespräch fühlst du dich

  • schuldig (es ist ja eigentlich alles so einfach)
  • klein (es ist ja eigentlich alles so einfach)
  • machtlos (er/sie weiß es ja eh besser)
  • nicht gesehen (deine Gefühle und Befindlichkeiten sind auf der Strecke geblieben)

 

Wer dich nicht ausreden lässt, seinen Monolog als allwissende Wahrheit verkauft, dein Tempo und deine Emotionen nicht betrachtet und nicht in der Lage ist, deine Situation empathisch zu betrachten – also auch einmal einen Perspektivwechsel vorzunehmen – behandelt dich mit geringer Wertschätzung.

 

Dies ist nicht DEIN Schuh, den du dir anziehen solltest.

Wer dich rüde unterbricht, hat kein Interesse an transparenter Kommunikation auf Augenhöhe.

Wer ungefragt Ratschläge erteilt, ohne deine persönliche Situation zu kennen, möchte ein Machtgefälle konstruieren und sich selbst in den Vordergrund heben.

 

Wer es ehrlich mit dir meint

  • hört dir genau zu
  • stellt Verständnisfragen
  • möchte deine aktuelle Lebenssituation verstehen
  • schenkt dir ungeteilte Aufmerksamkeit
  • nimmt deine Gefühle ernst
  • kratzt nicht an der Oberfläche, sondern geht mit dir in die Tiefe
  • weiß, dass eine Entschuldigung nie das Wort „aber“ enthalten sollte
  • gibt konstruktives Feedback
  • steht auch in schwierigen Situationen an deiner Seite und akzeptiert dein Tempo.

In diesem Sinne wünsche ich dir authentische, tiefgehende und wertschätzende Gesprächspartner…

 

Alles Liebe,

Melanie

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