Als hochsensibler Mensch verspürt man oftmals den Drang, sein Gegenüber erspüren zu wollen. Man möchte in die Tiefe. Zwischen den Zeilen lesen, beobachten, Verborgenes aufdecken, Motive entdecken, Mikromimik analysieren, Stimmmodulation erfassen. Erforschen, ob das Bild stimmig und authentisch ist.

 

Als hochbegabter und hochsensibler Mensch möchte man sich zum Kern durchbohren. Erkennen, wie etwas ist und warum etwas ist.

Dabei hat man das große Ganze im Blick, nicht bloß lose Enden.

Lose Enden sind Herausforderungen, die gelöst werden wollen. Packenden finden, sie zusammenfügen; Kontext beachtend werden Puzzlestückchen zu einer Einheit verwoben. Alle Kanäle sind dabei voll auf Empfang.

 

Das kostet Energie.

 

Das Gegenteil vom Zerdenken ist der Flow. Einfach fließen lassen, einfach sein.

Da ich selbst auf eine jahrelange Tanzkarriere zurückschauen kann, ist mir der Flow bestens vertraut. Einswerden mit der Musik, dem Rhythmus.

Kein Schrittezählen, 1-2-3…

Den Körper machen lassen, ohne nachzudenken. Intuitiv sein, emotional sein – eins ergibt das andere, ganz ohne Zutun, ganz ohne Denken.

 

Wenn du den Flow gespürt hast, in deiner Musik, in deiner Kunst, in deinem Tanz, in deiner Berufung, dann weißt du, was ich meine.

 

Analysieren wollen ist menschlich. Sich zum Kern durchbohren wollen ist verständlich. Verstehen wollen, Tiefe erkennen, Tragweite erahnen, Tiefgang erleben.

 

Wie komme ich also nun auf das Zerdenken?

Obige Beispiele sind immer dann konstruktiv, wenn du aktiv wirst, Hürden beiseite schiebst und ins Handeln kommst.

 

Dann und wann geschieht es jedoch, dass wir uns vor lauter losen Enden verzetteln. Wir wissen, dass wir eine Prioritätenliste bräuchten, können uns aber nicht entscheiden, da alles, einfach alles wichtig erscheint.

Und häufig passiert dann Folgendes:

Aus dem Wunsch heraus, alles richtig machen zu wollen, bauen wir unsere eigenen Stolpersteine auf. Wir begrenzen uns, indem wir gedankliche Hürden aufbauen:

 

  • Wenn ich erst Projekt xy beendet habe, dann….
  • Erst muss der Umzug geschafft sein, dann…
  • Ich muss noch das Gespräch abwarten, dann…

 

Ja ja, und übermorgen muss Vollmond sein, Uranus im Jupiter und der eingewachsene Zehennagel verheilt sein…

 

Geduld kann hilfreich sein, aber ausharren, bis vermeintlich alles perfekt ist, beschert dir mitunter verpasste Chancen. Wenn du eine Idee „zerdenkst“, gibst du ihr keine Möglichkeit, zu werden, zu wachsen, zu sein.

 

Warum nicht einfach mal den Flow zulassen? Gespannt schauen, was sich entwickelt, was wird. Klar können Fehler passieren, wenn die Idee/der Impuls noch nicht ausgereift war. So what…dann eben ans kreative Feintuning, neu justieren, korrigieren und daraus lernen.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch

eine flowhafte Woche, eure Melanie

 

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