Wenn du diesen Blogtitel mit einem eindeutigen „Jaaaa“ beantworten kannst, ist die Möglichkeit gegeben, dass du zu den hochsensitiven Menschen gehörst.

 

Mir ist es wichtig zu betonen, dass es nicht DEN Hochsensitiven gibt, genauso wenig wie DEN Hochsensiblen oder DEN Hochbegabten. Welche Merkmale genau bei dir vorherrschend sind und welche eher tief in dir schlummern, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich.

Möglicherweise erkennst du dich aber darin wieder, wenn ich behaupte:

 

  • du betrittst einen Raum und erspürst die vorhandene Atmosphäre
  • du kannst minutiös erkennen, wann die Stimmung „kippt“
  • du kannst erfühlen, dass Spannungen in der Luft liegen
  • dass du merkst, wenn jemand dich an der Nase herumführt
  • du fühlst intuitiv, wenn Gesagtes nicht zu Mimik und Gestik passt
  • dass du Emotionen deines Gegenübers wahrnimmst, auch wenn dieser sie nicht äußert
  • es dir leicht fällt, innere Konflikte deines Gesprächspartners zu erkennen
  • du recht rasch erkennst, wenn eine Idee, ein Projekt oder ein Mensch nicht „rund“ ist
  • dass du ein gutes Gespür dafür hast, hinter die Fassade zu blicken
  • und dass du in der Lage bist, feine Sprachnuancen wie Subtext, Betonung, Auslassungen, etc. wahrzunehmen

 

Doch warum widme ich mich überhaupt diesem Phänomen?

In meiner Praxis werde ich häufig auf oben genannte Aspekte angesprochen. Hochsensible und hochsensitive Menschen hadern damit, dass sie diese Schwingungen empfangen. Viele fühlen sich betrogen, wenn sie einen Lügner entlarven. Nicht selten ergeben sich daraus Fragestellungen wie

 

  • für wie blöd hält er/sie mich?
  • merkt er/sie nicht, wie berechenbar sein Verhalten und Kommunikation für mich ist?
  • wenn ich merke, dass bei jemandem etwas nicht stimmt, wie gehe ich dann damit um?

 

In diesem Kontext finde ich eine andere Frage viel spannender:

Welches Ziel verfolgst DU in deiner Kommunikation?

 

Ist es dir wichtig, die Lüge aufzudecken?

Geht es dir darum, unbewusste Emotionen deines Gegenübers transparent zu machen?

Möchtest du ein Problem lösen, was ER/SIE hat?

 

Eins ist klar: Eine Lüge bleibt eine Lüge und fühlt sich mitnichten gut an.

Aber warum macht dieser Mensch dieses?

 

Als hochsensitiver Mensch bist du nicht nur in der Lage, sehr empathisch zu sein, sondern verfügst auch über die Gabe, hinter die Fassade eines Kommunikationspartners zu schauen, denn deine emotionale Intelligenz macht dieses möglich.

 

Daher ist es dir auch möglich, zu erkennen, warum jemand handelt, wie er handelt. Der Blender kompensiert wohlmöglich sein kleines Ego, der Lügner ergibt sich vielleicht seinem Wunschdenken, der „Macher“ überspielt eventuell seine Skepsis.

 

Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt: dass hochsensitive Menschen, die dieses Dilemma erleben, mit der Frage „Wie gehe ich damit um?“ hadern, ist mehr als verständlich.

 

Wichtig finde ich in diesem Kontext die Beziehungsebene: Wer ist diese Person für dich und wie wichtig ist sie in deinem Leben?

 

Auf diese Frage berichten mir Menschen häufig, dass es sich um lockere Bekanntschaften handelt. Denn die Gabe des Menschenlesens, Gedankenwahrnehmens oder das Erkennen von Inkongruenz bezieht sich ja bei hochsensitiven Personen nicht nur auf diejenigen Mitmenschen, die sie schon jahrelang kennen und/oder denen sie familiär verbunden sind.

 

Was also ist dein Ziel bei einer losen Bekanntschaft?

Sein Innerstes nach Außen kehren? Warum?

Ihm/ihr helfen, Probleme zu lösen, die sie noch gar nicht wahrnimmt?

 

Was beim Gegenüber ankommen kann, ist

  • er/sie ist mir einen Schritt voraus – das ängstigt mich
  • das triggert gerade mein Ego, deshalb mache ich die Luke zu
  • wie übergriffig – um eine Persönlichkeitsanalyse hatte ich gar nicht gebeten

 

Wer übereifrig seinen Kommunikationspartner mit seinen Blockaden, Schatten, Dämonen und seinem Intimsten konfrontiert, meint es in der Regel gut, denn er möchte unterstützen, Hilfe anbieten und empathisch sein, dennoch ist die Enttäuschung recht groß, wenn dein Gegenüber „die Rollos runterzieht“, gekränkt reagiert oder sich brüskiert abwendet.

 

Jeder hat sein Tempo. Leben und leben lassen. Setze deine feinen Antennen ein, um zu erspüren, ob dein Feedback erwünscht ist. Nutze deine emotionale Intelligenz, um zu erkennen, ob deine Wahrnehmung auf „fruchtbaren Boden“ stößt. Nicht jeder ist bereit, sich seinen „wunden Punkten“ zu stellen. Dazu bedarf es intrinsischer Motivation.

 

Bleib bei dir! Welche Wünsche, Hoffnungen und Motive stecken in deiner Gesprächsführung?

 

Ich wünsche dir eine achtsame Kommunikation…

 

Alles Liebe,

Melanie

 

Share This