Was ist ein sozialer Ausbeuter?

Ein sozialer Ausbeuter ist eine Person, bei der gefühlt oder de facto jeder Satz mit ICH anfängt. Jemand, der ohne Scheu monologisierend auf dich einredet und dich an all seinen Glücks- und Leidensmomenten ungefragt verbal beteiligt. Der Ausbeuter vereinnahmt dich und deine Lebenszeit. Ihm geht es nicht um deine aktuelle Lebenssituation oder deine Gefühlswelt. Die Redezeit gehört ihm. Möchtest du dir auch einmal Gehör verschaffen, bist du quasi gezwungen, seine Atempause abzuwarten. Und ja, natürlich darfst auch du sprechen: Du darfst ihn loben, sein Ego streicheln und über seine Witze lachen. Solltest du jedoch auf die völlig absurde Idee kommen, selbst einmal etwas aus deinem Leben anmerken zu wollen, wirst du meist mit einem kurzen Kommentar abgebügelt und er knüpft gekonnt sofort wieder an SEIN Thema an.

Was tut ein sozialer Ausbeuter?

Der Ausbeutertyp ist auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. Erst einmal baut er eine Verbindung zu dir auf. Häufig ist er zu Beginn ein sehr eloquenter und geistreicher Gesprächspartner. Hat er deine Gunst und Aufmerksamkeit sicher, beginnt er, deine Energie anzuzapfen. Du wirst zu seinem Publikum. Während er unter deiner Aufmerksamkeit immer mehr erblüht, beschleichen dich so langsam Zweifel, welche Rolle dir eigentlich in diesem Duett zugedacht ist. Eine Verbindung auf Augenhöhe ist es zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Da der Ausbeuter sich als Nabel der Welt sieht, sind die Rollen klar definiert: einer schwadroniert nach Herzenslust, der Andere hört zu. Gerade wenn du dieses schon länger mitmachst, wirst du merken, wie kräftezehrend und anstrengend das ist.

Was tut ein sozialer Ausbeuter nicht:

Er nimmt nicht teil an deinem Leben.

Er stellt dir keine Fragen zu deinem Befinden, deinen Wünschen, deinen Bedürfnissen oder einfach, was du gerade so erlebst.

Er interessiert sich nicht dafür, ob das Gespräch auch für dich gewinnbringend ist.

Es lässt ihn kalt, wie du den ganzen Müll, den er vor dir ausgeschüttet hat, verarbeitest.

Wer sind die Auserkorenen des Ausbeuters?

Da muss ich dem Ausbeuter gar mal ein Kompliment ob seines eindeutig guten Riechers machen. Für seinen perfiden Plan wählt er gerne diejenigen Menschen aus, die ein harmonisches Miteinander bevorzugen. Häufig trifft man in dieser Gruppe Personen an, denen es schwer fällt, NEIN zu sagen. Auch Herzmenschen, die Schwierigkeiten haben, ihre persönlichen Grenzen abzustecken, fallen in das Beuteschema des Energiefressers. Und eben all jene, die von allem ein bisschen „zu viel“ haben: zu viel Respekt, zu viel Geduld, zu viel Harmoniestreben.

Was kann ich gegen soziale Ausbeuter tun?

  1. Ihn als das erkennen, was er ist: Ein Energiefresser, der dir nicht gut tut. Wenn du dir nicht sicher bist, achte in den nächsten Gesprächen einmal auf folgende Merkmale:
  • wie hoch ist dein Sprechanteil
  • stellt er dir persönliche Fragen
  • geht er auch auf deine Anmerkungen ein, wenn sie nichts mit ihm zu tun haben
  • beachtet er deine Wünsche und Bedürfnisse / kennt er sie überhaupt
  • fühlst du dich nach euren Gesprächen
  • (a) inspiriert und entspannt oder
  • (b) ausgelaugt und irritiert
  • Sind die unausgewogenen Gespräche temporär begrenzt (also z. B. einer aktuellen Krise zuzuschreiben) oder ziehen sie sich durch eure Verbindung wie ein roter Faden – schon über Wochen oder gar Monate
  1. Erkenne deinen eigenen Anteil: zu einem solchen Duett gehören immer Zwei: Einer der   ausnutzt und einer, der sich ausbeuten lässt!
  2. Überprüfe deine Erwartungen: Geht es dir um Freundschaft, gute Kollegialität oder gar eine Romanze? Frage dich, ob dieser Mensch    dir wirklich auf Dauer das bieten kann, was du dir wünschst.
  3. Sei DIR wichtig! Nimm deinen Raum ein. Setzte Grenzen, denn ja, das darfst du! Höre auf deine Wünsche und Bedürfnisse und kommuniziere diese transparent. Und manchmal, ja manchmal muss man Menschen auch aus seinem Leben verabschieden.

 

Alles Liebe,

Melanie

 

 

 

 

 

 

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